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Zölle, Zickzack, Zukunft – wie Sie jetzt klug planen

Containerschiff

Unsicherheit ist zum Dauerzustand geworden – Zölle sind nur die Spitze des Eisbergs. Seit Anfang 2025 ist die Weltwirtschaft durch neue protektionistische Maßnahmen aus den USA erneut ins Wanken geraten. Präsident Trumps erratischer Zollkurs macht Schlagzeilen – doch es geht um mehr als nur transatlantische Handelskonflikte.

Inflation, fragile Lieferketten, geopolitische Spannungen und digitale Disruption machen die kommenden Jahre zu einer echten Bewährungsprobe für Unternehmer. Dabei sind nicht nur klassische Exporteure betroffen, sondern jeder Betrieb, der Waren aus dem Ausland bezieht. Denn wenn Zölle und Handelsbarrieren steigen, steigen auch die Einkaufspreise – mit direkten Folgen für Marge, Kalkulation und Preisgestaltung.

Gerade jetzt zeigt sich: Planung ist keine Option, sondern Überlebensstrategie.

Zwischen Zollzirkus und Marktchaos

Seit Februar 2025 überzieht die US-Regierung die Welt mit einem wahren Zoll-Feuerwerk: 10 % Basiszoll auf alle Einfuhren, 25 % auf Stahl, Aluminium und Kraftfahrzeugteile. Die EU hat ihre Gegenmaßnahmen zwar vorübergehend ausgesetzt, doch der Verhandlungsspielraum ist begrenzt. Parallel dazu setzt auch die EU verstärkt Antidumpingzölle ein – etwa gegen China, das nun versucht, seine überschüssigen Waren auf den europäischen Markt umzuleiten.

Für viele Unternehmer stellt sich daher die Frage: Wie soll man da noch sinnvoll planen?

Szenarioplanung statt Kaffeesatzleserei

Unsicherheit heißt nicht, dass man gar nicht planen kann – im Gegenteil: Jetzt ist strategische Planung wichtiger denn je. Erfolgreiche Unternehmen nutzen Werkzeuge wie die Szenarioplanung, um verschiedene Zukunftsentwicklungen systematisch durchzuspielen. Diese Methode hilft, auf unterschiedliche wirtschaftliche Pfade vorbereitet zu sein und frühzeitig Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Ein gutes Szenariomanagement folgt dabei fünf Schritten:

  1. Identifikation kritischer Unsicherheiten (z. B. Zollpolitik, Nachfrageverhalten, Lieferkettenrisiken)
  2. Entwicklung plausibler Zukunftsszenarien
  3. Ableitung konkreter Handlungsoptionen
  4. Integration in die laufende Planung
  5. Prüfung auf „No-regret“-Maßnahmen (also solche, die in jedem Szenario sinnvoll sind)

Ein Beispiel für eine solche No-regret-Maßnahme ist die Digitalisierung und Automatisierung interner Prozesse. Ob es zu Handelskonflikten, Preissteigerungen oder Lieferengpässen kommt – wer seine Prozesse effizient, datenbasiert und flexibel gestaltet, kann schneller reagieren, besser kalkulieren und gewinnt Zeit, wo andere noch sortieren. Das rechnet sich in jedem Fall – ganz gleich, wie die Weltlage sich entwickelt.

                Weitere typische No-regret-Maßnahmen sind:

  • Aufbau redundanter Lieferanten (Resilienzsteigerung)
  • Schulung von Mitarbeitenden in Szenarioplanung und Flexibilitätsstrategien
  • Einrichtung eines Frühwarnsystems für politische und wirtschaftliche Entwicklungen
  • Optimierung der Lagerhaltung zur Erhöhung der Versorgungssicherheit

 

Absatzmärkte unter der Lupe

Starten Sie mit einer präzisen Analyse: Sind Ihre Produkte von US-Zöllen betroffen? Falls ja, prüfen Sie, wie stark diese sich auf die Nachfrage auswirken. Gibt es alternative Absatzmärkte? Können Sie flexibel auf Änderungen reagieren – etwa mit angepasster Produktion oder Preismodellen?

Ein Beispiel: Produkte mit geringer Preiselastizität (z. B. Spezialmaschinen) sind weniger von Zöllen betroffen als preisgetriebene Konsumgüter. Und: Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, Märkte mit EU-Freihandelsabkommen gezielt zu erschließen.

Lieferketten neu denken

Auch auf der Beschaffungsseite ist Wachsamkeit gefragt. Analysieren Sie Ihre Lieferketten auf zollrelevante Schwachstellen. Gibt es alternative Bezugsquellen – etwa in Vietnam, Indien oder innerhalb der EU? Prüfen Sie, ob Ihre Verträge flexibel genug sind und ob Sie just in time durch gezielte Lagerhaltung ergänzen sollten.

Sprechen Sie mit Zollexperten, holen Sie sich verbindliche Auskünfte bei der Finanzverwaltung – und planen Sie vorausschauend.

Fazit: Gemeinsam durch die Unsicherheit

Die kommenden Jahre bleiben volatil. Aber gerade in dieser Unsicherheit liegt auch eine Chance: Wer systematisch plant, Szenarien durchdenkt und flexibel bleibt, verschafft sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Und das müssen Sie nicht allein stemmen. Ihre Steuerberater sind hier Ihre besten Sparringspartner – sei es bei der Planung, der Bewertung unterschiedlicher Szenarien oder beim Berechnen der finanziellen Auswirkungen von Zöllen, Preissteigerungen und Produktionsanpassungen. Nutzen Sie dieses Know-how. Denn wer heute plant, bleibt morgen handlungsfähig.

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