24.02.2026
Eine Unternehmensnachfolge – ob innerhalb der Familie, im eigenen Team oder an einen externen Käufer – ist immer ein sensibles Vorhaben. Es geht nicht nur um Zahlen, Verträge und Kaufpreise, sondern meist auch um die Zukunft eines Lebenswerks. Umso wichtiger ist es, Erwartungen, Rollen und Ziele frühzeitig offen zu besprechen und verbindlich festzuhalten.
Gerade bei familien- oder teaminternen Übergaben verlassen sich viele auf mündliche Absprachen. Das klingt nach Vertrauen – birgt aber ein erhebliches Risiko. Unterschiedliche Vorstellungen über Kaufpreis, Einfluss, künftige Aufgaben oder die strategische Ausrichtung tauchen oft erst spät auf. Und genau dann können sie das gesamte Projekt gefährden.
Deshalb sollten auch interne Übergaben dieselben professionellen Standards erfüllen wie ein Verkauf an einen externen Interessenten. Je klarer Ziele und Grenzen definiert sind, desto strukturierter lassen sich die Verhandlungen führen – und desto entspannter wird der gesamte Prozess.
Letter of Intent – Ihr gemeinsamer Fahrplan
Am Anfang steht eine Absichtserklärung: der Letter of Intent (LOI). Käufer und Verkäufer halten darin fest, dass sie eine Übernahme anstreben und auf welcher Basis verhandelt werden soll. Der LOI schafft Orientierung und ein Mindestmaß an Verbindlichkeit, ohne schon alle Details zu regeln.
Typische Inhalte sind u. a.:
- eine kurze Beschreibung des geplanten Deals
- erste Vorstellungen zur Kaufpreisfindung
- ein grober Zeitplan
- exklusive Verhandlungszeiträume und
- Vertraulichkeitsregeln
Gerade die Verschwiegenheitsverpflichtung ist entscheidend, da im weiteren Prozess sensible Unternehmensdaten offengelegt werden.
Auch bei Nachfolgen innerhalb der Familie oder im Team lohnt sich ein schriftlicher LOI. Er beantwortet die entscheidenden Fragen: Wer übernimmt was? Bis wann? Unter welchen Grundbedingungen? Gleichzeitig dient er als roter Faden, der im Verlauf der Gespräche immer weiter konkretisiert werden kann.
Due Diligence – prüfender Blick hinter die Kulissen
Auf den LOI folgt die Due Diligence. Dabei prüft der Käufer alle relevanten Unternehmensdaten:
- rechtliche Strukturen
- wirtschaftliche Kennzahlen und Planungen
- steuerliche Verhältnisse
- Personal- und Organisationsstrukturen
Ziel ist ein realistisches Bild der Chancen und Risiken – und die Grundlage für Kaufpreis und Vertragsgestaltung.
Damit vertrauliche Informationen geschützt bleiben, sollte die Prüfung gut organisiert sein: Welche Unterlagen werden bereitgestellt? In welchem Umfang? Wer erhält Zugang? Häufig wird hierfür ein digitaler Datenraum eingerichtet, ergänzt durch eine separate Vertraulichkeitsvereinbarung.
Für Verkäufer ist es sinnvoll, Steuerberater, Rechtsanwalt und ggf. Wirtschaftsprüfer eng einzubeziehen. Sie können Auskunft geben, Fakten einordnen und vor allem helfen, die eigene Sicht auf das Unternehmen zu objektivieren.
Verträge – klare Regeln für eine klare Übergabe
Am Ende der Verhandlungen stehen die Verträge, die die Unternehmensübergabe rechtssicher machen. Dazu gehören insbesondere:
- der Unternehmenskaufvertrag bzw. Übertragungsvertrag
- ergänzende Vereinbarungen wie Miet-, Arbeits- oder Geschäftsführerverträge
- oft auch Absprachen über eine befristete Mitarbeit oder Beratung durch den Übergeber
Wichtig ist, frühzeitig festzulegen, wer den ersten Vertragsentwurf erstellt, welche Punkte unverzichtbar sind (Kaufpreis, Zahlungsmodalitäten, Übergabetermin, Wettbewerbsverbote usw.) und wie Risiken geregelt werden sollen.
Typische Konfliktthemen:
- Garantien und Zusicherungen durch den Verkäufer
- Umfang und Dauer der Haftung
Der Käufer wünscht meist umfangreiche Garantien, während der Verkäufer seine Haftung begrenzen möchte. Ein ausgewogener Mittelweg ist entscheidend – zu viele Details bremsen, zu wenige sorgen später für Streit.
Auch bei familieninternen Übergaben ist professionelle rechtliche und notarielle Begleitung ratsam. Interessen sind selten vollständig deckungsgleich. Neutrale Orte und unabhängige Berater erleichtern es allen Beteiligten, ihre Positionen sachlich und ohne emotionale Schieflage zu vertreten.
Fazit
Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge braucht Klarheit, Struktur und professionelle Standards. Mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Letter of Intent, einer gut vorbereiteten Due Diligence und durchdachten Verträgen schaffen Sie die Basis für einen reibungslosen Übergang. Wer Ziele und Spielräume früh definiert und Ergebnisse konsequent dokumentiert, vermeidet Konflikte – und erhöht die Chance, dass das Lebenswerk in verantwortungsvolle Hände übergeht.
